Uncategorized

Wie weit bist du mit dem zweiten Buch?

Das ist grad eine häufige Frage, die ich in letzter Zeit höre.

Der Rahmen steht, aber der Aufwand liegt im Detail. Wenn man etwas so schreiben will, dass der Leser sich in die Zeit hineinversetzt fühlt, dann muss man akribisch recherchieren.

Ein Beispiel: Eine Nebenszene dreier historischer Personen, die in Paris im Jahre 1713 spielen soll. Meine Idee: Einer davon soll ein Mönch des Lazaristenordens sein. Die beiden anderen wollen heiraten. Der Mönch (ein Freund des Bräutigams) soll den Ehevertrag aufsetzen. (Schon nur in diesen drei Sätzen stecken Stunden von Recherchen: Ich las über die Gründung des Ordens und über Eheschliessung im 18. Jahrhundert.)

Die erste Überlegung: Wo sollen die sich treffen? Im Ordenshaus? Wie und wo traf man einen Mönch, wenn man ihn besuchen wollte? Gab es da eine Art „Rezeption“ oder war der Konvent für die Öffentlichkeit gar nicht zugänglich? Was machten diese Mönche überhaupt den ganzen Tag?

Ok, ist zu kompliziert, sie im Privaten treffen zu lassen. Wahrscheinlich ist es einfacher, ich lasse sie sich am Arbeitsort treffen.

Recherche 1: Wo wohnten die Mönche damals in Paris? Was arbeiteten sie?

Nach einer Stunde Suchen habe ich etwas gefunden! In der DePaul University in Chicago haben sie ein Modell gebaut wie es damals ausgesehen hat! https://resources.depaul.edu/vincentian-collections/saintlazareimages/Pages/Diorama.aspx

Die hatten damals neben der Kirche des heiligen Lazarus verschiedene Gebäude, die es heute alle nicht mehr gibt (im Bereich des heutigen Gare du Nord in Paris). Eine Leprastation, eine Irrenanstalt, das Haus wo die Brüder wohnten und einen Gerichtshof. Gerichtshof…mhmmm… dort hatte es bestimmt Notare, oder nicht? Sie arbeiteten unter den Armen und Kranken und missionierten auf der ganzen Welt. Und ja, die Mönche arbeiteten als Notare. Juhui!!!

Also lasse ich sie definitiv am Arbeitsort treffen.

Recherche 2: Wer arbeitete im Gerichtshof, bzw. konnte man sich dort auch trauen lassen?

Hab ich noch nicht herausgefunden…

Recherche 3: Wie sah das Büro eines Notars aus? Wie sah ein Gerichtshof aus? Was war die damalige Ordenstracht / Aussehen der Mönche?

Schwierig zu recherchieren und aufwändig… Die Lazaristen hatten die Jesuiten als Vorbilder, unterschieden sich aber von ihnen, indem sie einen weissen Kragen aus grobem Leinen trugen (was muss ich mir unter „Kragen“ vorstellen? Zum Glück gibt es alte Gemäde…) und einen Haarbüschel am Kinn hatten.

Vincent de Paul

Ihr seht, hinter einer halben Romanseite steckt zuweilen 2 Tage Recherchearbeit… und manchmal ist es frustrierend, weil man einen Tag „geschrieben“ hat und am Abend doch nur zwei Sätze da stehen, weil die anderen Stunden fürs Suchen draufgegangen sind. Und nicht immer erfolgreich… Aber wenn ich dann etwas finde, ist die Freude gross! Und manches Mal muss ich eine Grenze ziehen und meine Fantasie spielen lassen (z.B. indem ich mir Gemälde aus der damaligen Zeit ansehe und mir das Möbiliar eines Büros zusammenwürfle..;-))

DARUM: Habt noch etwas Geduld! (Und wer Zeit und Lust hat, für Ruhm und Ehre zu recherchieren – nur zu! Die Fragen gehen mir nicht aus…!;-))