Geschichtliche Hintergründe, Vorschau

Der Held und das grosse Geheimnis

Anna und Edward, die Hauptpersonen aus meinem Buch treffen auf eine sehr bekannte Persönlichkeit, den Grossmeister Jean de Valette. „Grossmeister“ ist die Bezeichnung für das Oberhaupt des Ordens der Johanniter, später „Malteser“ genannt.
Als ich über ihn recherchierte, fand ich immer das gleiche Bild gezeichnet von einem überaus perfekten Mann, der seinen Orden mit achtzig Jahren in eine der bedeutendsten Schlachten Europas führte.

„Als gestrenger Herr duldete er keine Missstände… Er trug das Zeichen des Helden auf der Stirn und verlangte von seinen Rittern nichts, was er nicht selbst leisten konnte und wollte. Er war peinlich genau in der Erfüllung seiner religiösen Pflichten, aber auch der beste Heer- und Flottenführer, den der Orden seit vielen Jahren besessen hatte.“

Jean de la Valette

Solche und ähnliche Lobeshymnen findet man in allen Geschichtsbüchern.
Bei solcher Glorifizierung juckt es mich dann jeweils, herauszufinden, ob hinter einer solchen Persönlichkeit nicht doch auch ein „Mensch“ steht.
Und tatsächlich stiess ich nach langer Suche auf einen Artikel von Giovanni Bonello in einem medizinischen Journal von Malta. Er ist ein ehemaliger Richter vom europäischen Gerichtshof, der nun in seinen Achtzigern ist, auf Malta lebt und ein grossartiger Kenner des Ordens ist.
Schon in jungen Jahren hat er damit begonnen, die Archive des Ordens zu durchzustöbern und mit grosser Sorgfalt und Respekt entmystifiziert er gewisse Dinge in und um den Orden.
Ich hatte das Vorrecht, ihn auf meiner Recherchereise in Malta zu treffen und mit ihm auch über den Artikel zu sprechen, in dem er de Valettes grosses Geheimnis teilt. Ein Geheimnis das seine „Heldenhaftigkeit“ in den Augen der meisten Menschen damals (und heute?) empfindlichen Schaden zugefügt hätte. Ein Geheimnis, das zwei Jahre nach der Schlacht mitverantwortlich war für seinen Tod. Ein Geheimnis, das ihn für mich menschlicher, nahbarer und „gewöhnlicher“ macht.
Ein Mann der trotz seiner Fehler und Schwächen gestanden ist, seinen Platz eingenommen hat und Entscheidungen getroffen hat, die noch heute – bald 500 Jahre später- Europa prägen.
Ein Mann der Geschichte schrieb.